Wo kann ich mich dieses Jahr wieder auspowern oder besser gesagt, was lässt mein linker Knöchel nach einem Bänderriss Ende März wieder zu? Diese Frage stellte ich mir Ende Mai 2016. Kurz überlegt fiel mir doch glatt der kahle, hammerharte Berg in Südfrankreich ein, der mir letztes Jahr schon so gefiel und über den es ein spezielles, Individual-Event gibt, bei dem man sich den Hintern wund strampeln kann :-) Ich meine natürlich den Mont Ventoux.

Blick zum Gipfel des Mont Ventoux
Blick zum Gipfel des Mont Ventoux

Doch erst mal ein wenig Erd- und Sportkunde: Wer die Tour de France kennt, kennt auch den Mont Ventoux! Der 1912 Meter hohe Kalkhaufen steht einsam und alleine mitten in der Provence. Windfangende Nachbarberge? Fehlanzeige! Aufgrund seiner Kalkfelder am Gipfel, die wie ganzjährig liegender Schnee aussehenden, nennt man den von allen Seiten weit sichtbaren Giganten auch „weißer Riese“, wie das Waschpulver. Dank Lavendel rund herum, riecht der auch nach Waschmittel.

Das Ding ist nicht nur imposant und schön anzuschauen, sondern darüber hinaus auch noch ein Mythos des Radsports. Neben L‘Alpe d’Huez  (Skiort) und Col du Galibier (Pass) in den Alpen sowie dem Col du Tourmalet (Pass) in den Pyrenäen gilt er als einer der vier Monumente der Tour de France. Mit 1600 zu bewältigenden Höhenmetern von fast jeder Seite sind die stets im Wind stehenden Serpentinenstraßen da rauf auch eine der schwersten der Rundfahrt und somit quasi ein prädestiniertes Ziel für Radsportbekloppte.

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Wenn man ein Rennrad fährt, ist man zwar schon eine Rennradfahrer aber noch kein Radrennfahrer.

Seit Sonntag, den 29. Mai 2016 darf ich mich auch Radrennfahrer nennen. Nach dem späten Beantragen und Erhalt meiner ersten Rennlizenz in 2016 war es dann ausgerechnet auch noch meine Heimatstadt Wegberg, in welcher ich das erste mal in den Wettstreit mit anderen Radrennfahrern gehen sollte.

Aber ich fange mal vorne an: Alex, unser Geschäftsführer des Erkelenzer Radsportclub, der mir schon letztes Jahr unbedingt eine Lizenz verpassen wollte, hat es dann dieses Jahr erneut versucht und Erfolg. Ich bin zwar kein per se ängstlicher Mensch, aber Radrennen im Alter von 35 Jahren und gerade mal 2 Jahren intensiver Radsporterfahrung; ich muss gestehen, ich brauchte einige Tage um mich mit dem Gedanken arrangieren zu können. In der Sportart Stuntskating bzw. Freestyle Rollerblading - in welcher ich gute 15 Jahre aktiv war - gehörten Stürze und Blessuren zum Sportalltag. Aber diese sind auch einer der Gründe, weshalb ich zum Radsport gewechselt bin. Je älter man wird, desto vorsichtiger geht man mit potentiellen Gefahren für die Unversehrtheit um - zumindest die meisten Menschen - und ich bilde da keine Ausnahme.

Und dann lege ich mich am Vorabend des Renntag, nachdem ich mein Sportgerät nochmal überprüft habe, ins Bett und meine Gedanken kreisen. "Was machst du wenn es anfängt zu regnen?", "Schaffst du es überhaupt an einem erfahrenen Teilnehmerfeld bei Geschwindigkeiten von über 40 km/h fast 2 Stunden lang mitzukommen?", "Reicht meine Radbeherrschung um dicht gedrängt mit anderen bei hohen Geschwindigkeiten die Kurven zu passieren?", "Willst du wirklich dein Rad und dich der Gefahr eines Unfalls aussetzen?", ... Je mehr ich mich auf diese Fragen konzentrierte, desto mehr Zweifel kamen in mir auf und desto mehr kam der Gedanke: Och, vielleicht regnet es ja Morgen. Aber ist das wirklich eine Lösung? NEIN! "Lars, du fährst Morgen das Rennen, sofern es um 11:55 Uhr nicht aus Eimern schüttet!" Das waren meine letzten Gedanken bevor ich gegen 8 Uhr am Renntag wieder wach wurde.

(Mein Freund Gilbert Jarosch hat beim Rennen mitgefilmt und seine Aufnahmen zusammengeschnitten. Danke!)

Der Bericht geht hier weiter...

... war quasi der Saisonauftakt und er war vielversprechend.

Aber ich fange mal vorne an:
Nachdem ich mich über die Wintertage doch eher "körperlich geschont" habe und das Rad in 2016 bereits länger geputzt als bewegt hatte, war meine Freude und Lust auf die RTF des RSC-Schwalmtal sehr groß. Ich bin ganz egoistisch von Wegberg aus alleine zum Start gefahren und haben niemandem bescheid gesagt. Mir war erst irgendwie mehr nach alleine Fahren. Also schnell den Anmeldeprozess erledigt und dann ab auf die Strecke. Bei der Anfahrt hatte ich schon gemerkt: Brr, ist schon noch etwas frisch - aber 4 Unterhemden unter dem etwas dickeren Langarm-Trikot waren ausreichend um sich mehr auf die Straße als den Erhalt der Körperfunktion konzentrieren zu können. Auf dem ersten Kilometer kam mir bereits ein Trupp ERCler entgegen und aus Neugierde, Höflichkeit und Freude am Radfahren drehte ich kurzentschlossen und begleitete sie einige Meter. Der Trupp, welcher sich mir durch Dagmar, als "langsamer fahrende" vorstellte war auf dem Weg zum Start. Die schnelleren, so erfuhr ich, werden über K1 in die Strecke kommen.

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"Der härteste Radmarathon Deutschlands!!!" So titulierte die Radsportzeitung ROADBIKE in einer Ausgabe Anfang des Jahres den im September 2015 zum zweiten Mal ausgetragenen Radmarathon SCHWARZWALD SUPER. Angekündigte 240 km Strecke und 6400 Höhenmeter mit der Überwindung der acht höchsten Gipfel des Hochschwarzwaldes ließen auch keinen Zweifel aufkommen, dass es sich hier um ein knochenhartes Gebirgsrennen handelt. Kein Wunder, dass mich ein solches Event anzog wie das Licht die Motten. Nur wenige Tage nach Kauf der Zeitung stand ich auch schon in der Starterliste. 

Am Samstag den 12.09.2015 ging es mit meiner Frau gen Süden in die Sonnenregion unserer schönen Republik, den Breisgau. In Freiburg ins Hotel eingecheckt ging es direkt zum nahegelegenen Örtchen Oberried, wo es nicht nur die Startunterlagen abzuholen galt, sondern auch am Folgetag in aller Herrgotts-Frühe der Start erfolgen sollte. Das knuffige 15 Quadratmeter große Wettkampfbüro mit 3 Helfern zeigte schon, dass es hier wesentlich familiärer und teils improvisierter zuging, als auf den vergangen Großevents VATTENFALLS CYCLASSICS und LA MARMOTTE. Irgendwie gemütlich :-)

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