Der 7. Mai 2017 bleibt für viele Mitglieder des Erkelenzer Radsportclub als ein besonderer Tag in Erinnerung. Zum Einen sind da Erinnerungen an eine teilweise anstrengende Organisation und etlichen Aufwand bei der Durchführung, zum anderen an eine super organisierte Radsportveranstaltung der Extraklasse. Ich, Lars, gehörte dieses Jahr wieder zu den Nutznießern der tollen Organisation. Aber fangen wir vorne an...

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Mit meinem Radsport-Debüt in 2015 darf ich auch bei der zweiten Teilnahme am Mönchengladbacher Radmarathon noch etwas aufgeregt und voller Vorfreude sein. So aufgeregt verlief auch der Tag vor dem Marathon. Als frischer Besitzer eines geländegängigen Fahrrads konnte ich mich Samstag einfach nicht in Zaum halten, das neue Sportgerät nochmal bei sonnigen 20 Grad Außentemperatur durch den Wald zu scheuchen. Die ungebremste Freude führte mich 60 km über Stock und Stein rund um meine Heimat. Danach stand die Dusche für Rad und Körper an, gefolgt von der Vorbereitung zur (Rad-)Fahrt nach Rheydt zu meiner Lebensgefährtin Janet. Ich hätte alles einfach ins Auto werfen und mit dem Auto nach Rheydt fahren können, aber warum sollte ich, wenn ich die Strecke eh regelmäßig mit dem Rad fahre. Also schnell um 20 Uhr den Rucksack hervorgekramt und das Nötigste da reingeworfen. Eigentlich war es eher meine gesamte Vereinsgarderobe, da das Wetter nicht wirklich klar war. Es war alles möglich: Von 8 bis 17 Grad mit oder auch ohne Regen. Und auch wenn ich nicht soooooo empfindlich gegen Kälte bin, sobald Regen dazu kommt, können einstellige Grade echt hart auf die Laune drücken.
Um halb 9 am Abend ging es dann mit Rucksack und in ziviler Kleidung auf der Rennmaschine von Wegberg in Richtung Rheydt. Bei Janet angekommen stand noch ein kurzer Einkauf im nahe gelegenen Supermarkt und die Versorgung des Fahrradantriebes mit Energie auf dem Tagesplan. Hand hoch, wer meinen über Whatsapp spottenden Vereinskameraden zustimmt, dass man vor einer 230 km Radfahrt die um 6:30 Uhr beginnt, um 23 Uhr nicht mehr kochend hinterm Herd stehen sollte? HA! Ihr irrt euch, ich lebe schließlich noch. :-P

Um halb 1 gingen meine Augen zu und um 5 Uhr holte mich mein Wecker wieder aus der (Schnell-)Ladestation namens Bett. Der Blick aus dem Fenster: trocken und dunkel. Sehr aufschlussreich. Temperatur laut Wetterapp: 7 Grad mit Chance auf Regen im Tagesverlauf. Meine spontane Kleidungswahl fiel auf Lang/Lang mit langem Unterhemd. Alles angezogen, Rad gepackt und um 5:30 Uhr von Rheydt in Richtung Hardt gestartet. Mein Rücklicht sicherte mich nach hinten gegen schlaftrunkene Frühdienstler ab und nach vorne verließ ich mich auf mein Geschick. Um die Uhrzeit ist sonntags allerdings selbst in einer Metropole wie Mönchengladbach noch das Sandmännchen aktiv und hält die nicht immer ganz glatt geteerten Gladbacher Straßen frei von Verkehr. Dank guter Ampelschaltungen brauchte ich nur 20 Minuten für die 10km Anfahrt.
In Hardt an der erstmalig in diesem Jahr neuen Start-Location begrüßte mich unser erfahrener Marathonfahrer Markus schon. Bis zur Startfreigabe waren noch geräumige 30 Minuten Zeit. Zeit für Kaffee und etwas Smalltalk. Meinen Kaffee schenkte mir unsere Louise ein und überhaupt liefen überall ERCler rum und wickelten Anmeldungen und Bedürfnisse, gemeinsam mit Mitgliedern der Mönchengladbacher Radsportvereine, der von überall angereisten Radsportler routiniert ab. Etwas später aber noch rechtzeitig traf Jörg auch am Start ein. Wir drei hatten uns im Vorfeld bereits zu einem Start ab Hardt entschieden, "die anderen" wollten sich uns auf Höhe Erkelenz anschließen.

Pünktlich um 6:30 Uhr eröffnete unser Erkelenzer Mann für Alles im Radsport, Alex, den Start und rund 150 früh angereiste Radmarathonfahrer gaben ihren Stahl-, Titan-, Alu- und Carbonrennern die Sporen. Mirko und Florian fuhren vor den Startern mit dem Auto vorweg, um andere Verkehrsteilnehmer durch Lichtsignale auf die Radsportler hinzuweisen. Auch dieses Jahr wie in den vergangenen Jahren bleibt der Tross von Frühstartern in der Regel bis zu den ersten ernsthaften Anstiegen zusammen und genießt die gegenwindfreie 60 km lange Eifel-Anreise hinter den vorne fahrenden "Windmaschinen". Zusammen mit Markus und Jörg haben wir vorne mit am Tempo gearbeitet. Ich muss ehrlich gestehen, ich fühle mich hinten nie so ganz wohl. Ich sehe lieber Straße vor mir, als auf ein Meer voller Hintern zu schauen. Für den arschfreien Morgen muss man dann allerdings hin und wieder mal die Beine auf 100% anwärmen.

Nach rund 25km auf der Strecke kamen erste Zweifel in mir hoch, ob ich wirklich heute 230km schaffe. Wenn ich auf meinen Körper gehört habe, sagte er mir: Lars, du hast etwas spät gegessen und es war nicht gerade wenig, was du dir da so spät noch reingezogen hast. Zudem, Lars, bist du gestern mit einem ungefederten Heck durch den Wald gefahren. Einfach gesagt: Verdauung und Schmerzen im "Sitzfleisch" plagten mich bei 45 km/h und der Nase im Wind. Kurz vor der zweiten Kontrolle und dem Ende der Pulkfahrt wurde es plötzlich so gemütlich, dass ich mir dachte, wir steigen gleich vom Rad. Also hüpfte ich schnell den abgesenkten Bordstein hoch auf den Radweg und setzte mich im Anstieg vor das Feld. An K2 wollte Richard mir schließlich 'nen Brot schmieren und ich musste ihm doch zeigen, dass ich das geschmierte Brot auch verdiene. ;-) Ab hier war aller Zweifel vergessen und mit dem Anbruch des Tageslicht ist die Motivation auch aufgegangen.

Geschmiert war zwar nix, aber die Begrüßung durch das K2-Team bestehend aus Richard, seiner Herz-Dame und unseren ERClern Tanja und Daniel war freundlich, so freundlich, dass ich es ihnen verzeihe. Ebenso erfreulich war es, einige weitere Sportler unseres Vereins mit dem Rad parat stehen zu sehen, um sich gemeinsam mit uns Frühstartern durch die Eifel zu quälen. Namentlich Bernd, Wilfried, Peter und Gerd. Stefan ist die 150er Strecke im eigenen Tempo gefahren und auch Bernd hat sich an diesem Tag zur "kleinen" Runde mit "nur" 150km bekannt. Albert hat den Spagat zwischen Streckenposten und Radsportler gemacht und nach dem erfolgreichen Durchwinken des Peloton selber die Marathonstrecke bewältigt. Ebenfalls befuhren Karl-Heinz, Heidi, Helga und Willi die RTF. Besondere Erwähnung gilt unserem ERCler Paul, der sich die Marathondistanz zum 65. Geburtstag geschenkt hat. Herzlichen Glückwunsch!

Anders als beim "Windfahren" ist es am Berg nicht ohne weiteres möglich, eine dauerhaft geschlossene Gruppe zu fahren. Am Berg bist du halt alleine mit deinen Beinen und dem Rad und so war es auch diesmal wieder, dass sich an den Anstiegen unsere Gruppe etwas streckte und dann am Berg oder spätestens an einer der Kontroll- bzw. Verpflegungsstellen wieder zusammenfand. An K4 (Mariawald) war das Wetter auch schon sehr sparsam, aber die Laune und Lust war bei allen Beteiligten noch sehr hoch und es wurde ausgelassen gescherzt und geflachst. Mit neuer Energie und einigen weiteren Fahrern sind wir von K4 zu K5 aufgebrochen. K5 = Lecker Nudeln! K4 bis K5 haben sich die rund 110 Minuten durch das nicht ganz so tolle Wetter schon sehr lang angefühlt. Umso froher und glücklicher waren wir dann um 11:45 Uhr, die warme Mahlzeit entgegen zu nehmen und einige Minuten die Füße und Beine zu entspannen. Ab K5 stehen keine nennenswerten Anstiege mehr auf dem Plan, lediglich noch zermürbender Gegenwind. Aber mit dem trainiert der Flachländer ja oft und gerne, also stellt der kein Problem dar. Auch wenn wir dieses Jahr kein "Rennen" fahren wollten. Mit dem 31er Schnitt aus der Eifel kommend wollte man sich die 3 vorne jetzt nicht unbedingt vom Gebläse nehmen lassen... Vielleicht sogar lieber noch etwas nach oben fahren?! - Mal schauen! Auf geht es Richtung K6. Im Kampf gegen den Wind haben sich immer mehr einsame Sportler uns angeschlossen und sich gegen eine einsame Rückfahrt gerne einige Kilometer aushelfen lassen. Nach K6 haben wir doch tatsächlich auch an der K7 noch einen Stempel und einen Becher Limonade mitgenommen, um dann die letzten Kilometer bis nach Hardt zum Start zurück zu fahren.

Es war ein toller Tag. Eine großartige Truppe. Eine super Organisation. Eine perfekte Streckenbeschilderung...und anstrengend!

Mein Dank geht an alle, die das Event ermöglicht haben und zu diesem Tag beigetragen haben! Ich freue mich jetzt schon auf den Mönchengladbacher Radmarathon 2018!

Lars Echterhoff