Berge, Berge und nochmals Berge, dazu nur 450 Kilometer von Daheim weg! Klar dass der Schwarzwald eine der beliebtesten Regionen Deutschlands für mich ist.

Nachdem ich 2015 beim härtesten Radmarathon Deutschlands, dem SCHWARZWALD SUPER mit seinen 6500 Höhenmetern, erfolgreich an den Start ging, sollte es diesmal dessen „kleinerer“ Bruder werden. Gemeint ist der Schwarzwald Ultra Radmarathon, kurz SURM genannt. „Klein“ ist hier aber ein relativer Begriff, sind doch 238 Kilometer und 4070 Höhenmeter zu bewältigen, bevor man sich in das schicke Finisher-Trikot kleiden kann.

Am 17.09.2017 um 7:00 Uhr war es dann endlich soweit. In dem Städtchen Alpirsbach versammelten sich etwa 520 Radverrückte aus ganz Deutschland an der Startlinie, welche interessanterweise direkt neben eine Bierbrauerei gelegen war. Hopfen- und Malzduft in der Nase standen wir nun da im Morgengrauen und lauschten den Worten des Moderators. Der war entweder zu Scherzen aufgelegt oder hatte sich vorher im Braukeller kräftig einen gezwitschert. Faselte er doch etwas von SURMer Kaiserwetter! Bitte??? Stahlgrauer Himmel, eine vom nächtlichen Regen feuchte Straße und wohlige 7 Grad Celsius mögen womöglich auf Spitzbergen im Nordmeer schönes Wetter sein, aber ich hätte mich am liebsten wieder in mein Bett verkrochen. Spätestens hier hätte mir ein Licht aufgehen müssen, dass ich mich meteorologisch/klimatologisch beim falschen Event befand;) Aber sei es drum. Jetzt war ich schon mal da, dann konnte ich auch Radfahren.

Die ersten 50 Kilometer waren ein Sammelsurium unterschiedlichster kleiner und mittlerer Anstiege und den sich anschließenden Abfahrten. Die Topographie der Strecke hatte teilweise Ähnlichkeit mit einem EKG kurz vor’m Kammerflimmern. Jedoch hatte keines der daherkommenden Hügelchen und „Möchtegern-Mont-Ventoux“ mehr als 200 Höhenmeter am Stück zu bieten. Sie ließen sich also mehr oder weniger bequem fahren. Ausnahme bildete der Kniebis, der mit 380 Höhenmeter doch glatt einen Kopp größer war als alle anderen und auf die Schwarzwaldhöhenstraße führte. Glich das Wetter anfänglich noch einer Suppenküche, lugte zwischendurch dann doch tatsächlich mal unser Zentralgestirn durch die Baumwipfel und spendete den geschundenen und leicht angefrorenen SURM-Teilnehmern ermutigende 2-3 Grad Celsius mehr. Auf dem Weg durch die engen und mit tiefschwarzen Nadelwäldern ausgekleideten Tälern passierten wir die ein oder anderen Kurorte, die mal schön, mal schön scheiße waren. Besonders in Erinnerung blieb mir dabei Bad Rippoldsau. Wer hier in Kur geschickt wird, hat ein erstes Problem mit seinem Doc. In dem heruntergekommenen Drechsloch samt verlassener Kurhotelruine und schäbigem Kurpark hätte „Shining“ von Stephen King gedreht werden können. Wer hier nach 3 Wochen Kur nicht den Wunsch verspürt, mit der Axt Türen zu zertrümmern und mit imaginären Barkeepern zu reden, ist entweder extrem tiefenentspannt oder sanften Gemüts.

Aber zurück zum Rennen. Dieses näherte sich langsam aber sicher dem Höhepunkt, nämlich dem Schwarzwald-Riesen KANDEL. Zugegeben, auf dem Weg dorthin stellten sich zwar noch der Löscherbergwasen mit 319 Höhenmetern und der Höhenhäuser mit 310 Höhenmetern in den Weg, aber für alte Alpenhasen sind diese Teerblasen kaum erwähnenswert;) Obwohl….319 Höhenmeter auf etwas mehr als 3 Kilometern oder einfacher gesagt bis zu 20% Steigung nach 100 Kilometern schon Aua taten.

Nach 140 Kilometern war er erreicht. Kein schneebedeckter Gipfel oder ansehnliche Felsnadeln kündigen ihn an, nein der höchste Berg des Mittel- und Nordschwarzwaldes wird mit Sicherheit keinen Schönheitspreis gewinnen. Aber der von Kimme bis Scheitel bewaldete Erdhaufen hat es in sich. Der KANDEL wäre mit 1241 Metern Höhe im Alpenraum nicht mehr als ein Aussichtshügel. Aber hier überragt er alles und seine Nordrampe ab der Ortschaft Waldkirch hat hingegen wahres Alpenniveau!!! Auf 12 Kilometern Strecke sind ganze 970 Höhenmeter am Stück zurückzulegen. Macht über 8% Steigung im Schnitt und somit ähnliche Daten wie das nur unwesentlich berühmtere L’Alp d’Huez. Da die Serpentinen sich alle im dichten Wald den Hang raufschrauben, musste man jedoch keine Angst haben, dass man durch lästige schöne Aussichten abgelenkt wurde. Man war mit sich, seinen dicken Beinen und der Straße alleine. Eine Stunde und 7 Minuten dauerte der Spaß bis ich trotz kühlen 13 Grad nassgeschwitzt den Buckel erklommen hatte. Nach einer Verpflegungspause auf dem Gipfel ging es wieder steil hinab ins Tal.

Das Wetter hatte zwischendurch offenbar etwas Mitleid mit uns Radfahrern gehabt und auf Sonne mit wolkigen Abschnitten umgeschaltet. Nur die Kälte blieb uns erhalten.

Die folgenden 30-40 Kilometer ging es fortan stetig auf und ab über grüne Hügel langsam hinauf zum letzten großen Berg der SURM-Runde, dem THURNER. Letzteren, den ich schon vom Schwarzwald Super her kannte, weißt auf dem Papier stolze 1020 Meter Höhe auf. Jedoch ist sein Gipfel nichts weiter als eine plumpe Kreuzung zweier Panoramastraßen. Nicht weiter erwähnenswert.

Was jedoch eine Erwähnung wert ist, kann man kurz und knapp mit dem Begriff „widerlicher Wetterumschwung“ zusammenfassen. Einmal auf dem Thurner angekommen sah man es quasi kommen. Die eingangs erwähnten sonnig-wolkigen Abschnitte gehörten mittlerweile wieder in die Geschichtsbücher. Wir fuhren ab Kilometer 180 zielstrebig auf eine schwarze Wolkenwand zu, aus der ist sichtbar schiffte wie aus Kübeln. Interessanterweise hatte es diese Wetterkapriole irgendwie auf uns abgesehen. Rechts und links war blauer Himmel zu erkennen, aber die SURM-Richtungspfeile wiesen genau in das Usselswetter. Was soll man da machen……..rein in das VAUDE-Regenkondom und ab durch die Mitte. Im Nachhinein betrachtet hätte ich mir besser ne Ritterrüstung angezogen. Murmelgroße Eiskugeln, auch Hagel genannt, schlugen plötzlich auf mich und meinen Karbonrenner ein. Nun gut, mit blauen Flecken auf dem Oberschenkel und ner Gehirnerschütterung könnte ich ja leben, aber ein Lackkratzer auf meinem Radrahmen?……niemals. Ich gesellte mich daher zu einem Oberbayern an einer überdachten Bushaltestelle und gönnte mir ein zwanzigminütiges Zwangspäuschen. Der redselige Oberbayer beließ es bei der Wartezeit leider nicht mit einem Schwank aus seinem Leben, sondern er erzählte mir sein GANZES Leben. Ich glaube es zumindest…..Ehrlich gesagt habe ich erst nach 5 Minuten verstanden, dass er Deutsch mit mir redet: „Joa Moi, doa leg’s di nider! So’a Schmarrn…..“ usw. usw.

Zum Glück ging’s irgendwann dann doch noch nur bei strömendem Regen ohne Hagel weiter, andernfalls hätte ich doch glatt meinen kölsche Dialekt verloren.

Die letzten 30 Kilometer bis ins Ziel möchte ich lieber vergessen statt zu erzählen. Regen, Regen, Regen, maximal 10 Grad, Ziellinie, Fertig!!!

Das leckere Alpirsbacher Weizenbier im Ziel konnte mir gestohlen bleiben. Ich hätte den edlen Tropfen bei meiner Zitterei eh überwiegend verschüttet. 9:36 Stunden benötigte ich für die knapp 4000 Höhenmeter und 238 Kilometer, was einen akzeptablen 25er Schnitt ausmachte. Natürlich selbstgestoppt, da eine offizielle Zeitnahme im Bürokratie-Mekka Deutschland sowas von verboten ist :-(

Außer einer aufgeweichten Urkunde bleiben mir zwei Sachen des SURM in Erinnerung.

1.) Der Kandel ist für mich der schwerste Anstieg in Deutschland den ich kenne. Und ich wüßte auch nicht wer ihm sonst noch das Wasser reichen sollte.

2.) Der SCHWARZWALD SUPER ist unabhängig vom Wetter das landschaftlich und organisatorisch schönere Event. Er sollte dem SURM meines Erachtens vorgezogen werden. Größtes Manko bei der Verpflegung war, dass nichts für den Transport im Radtrikot geeignetes angeboten wurde. Kuchen, Suppen, Schmandbrötchen und geschnittenes Obst ist ja toll, aber wie soll das meine Waschmaschine bitte wieder aus dem Stoff bekommen, wenn ich das in die Rückentasche quetsche?!? Blieb einzig und alleine die Banane, die ich mir ungeschnitten auch noch erfragen musste.

Schade drum! Ein schönes, aber ausbaufähiges Event :-)

Jetzt heißt es nur noch:  Arrivederci Radsaison 2017!!! Hola mist Winterzeit :-( :-( :-( :-(

Mal schauen was nächstes Jahr so geht……Bis dahin…..Kette rechts!

Dirk Gütte, Erkelenz 30. September 2017

Nach dem das Jahr 2016 aus familiären zeitlichen Gründen nahezu ohne Radevents und insbesondere ohne echtes Saisonhighlight auskommen musste, war Ende Herbst 2016 bereits klar, dass sich dies im kommenden Jahr wieder ändern musste. Den Ötztaler Radmarathon hatte ich aufgrund der Startplatzunsicherheit und der bereits zwei erfolgreichen Teilnahmen verworfen, so kam der Tipp von Vereinskamerad Dirk Gütte gerade richtig, dass mit dem „La Marmotte Pyrénées“ eine weitere Ausgabe des berühmten Granfondos etabliert wurde. Nach kurzem Check der Lage, war also bereits im November 2016 klar, dass uns der diesjährige Sommerurlaub nach Frankreich bringen würde und am Tag der Einschreibung stand ich bereits fix auf der Starterliste.

Nach einer Woche an der Atlantikküste ging es dann am 20. August ins malerische Luz-Saint Sauveur am Fuße des berühmten Col du Tourmalets. Für mich persönlich ging ein kleiner Kindheitstraum in Erfüllung, schließlich fieberte ich schon in den 90ern mit, wenn sich Fahrer wir Ulrich, Pantani und Co. die berüchtigten Pässe der Pyrenäen hochk(r)ämpften.

Bereits am Tag nach der Ankunft klingelte früh der Wecker, schließlich lautete das Motto „Familienurlaub“ und „Raderlebnis“ stressfrei unter einen Hut bekommen. Meine erste Tour führte mich auf den Hausberg, der kein geringerer als „Luz Ardiden“ war – siebenfacher Ankunftsort der Tour de France, gute 1.000 Höhenmeter verteilt auf 13 Kilometer Gesamtanstieg, das bedeuteten im Mittel 8%. Die Fahrt verlief richtig gut, da die Steigung nahezu gleichmäßig verteilt war und ich gut zu meinen Rhythmus fand. Des Weiteren war es aufgrund der frühen Uhrzeit menschenleer, so dass mich nach einer knappen Stunde Fahrzeit ein paar Murmeltiere auf der Passhöhe bzw. der finalen Skistation erwarteten.

Zwei Tage später stand die nächste Tour auf dem Wunschzettel. Gewitterbedingt startete ich eine Stunde später als geplant meine Fahrt talwärts Richtung Argèles-Gazost, um von dort über den Col du Soulor (1474 m) zum mythischen Col d´Aubisque (1709 m) zu gelangen. Nach einem kleinen witterungsbedingten Ausrutscher versicherte ich mich bei vorbeifahrenden Radlern nochmal nach dem Wetter, da ich ein weiteres Gewitter auf Passhöhe vermeiden wollte. In der Tat wurde in diesem Tal der Pyrenäen das Wetter von Minute zu Minute besser, so dass die Auffahrt zum Col du Soulor ein echtes Highlight wurde. Zu dem lernte ich mit Daniel einen super freundlichen und ebenfalls radsportbegeisterten Mitstreiter aus der Nähe von Manchester kennen. Wir tauschten uns ein wenig aus und folgen uns seit dem auf Strava . Als absolutes Streckenhighlight wurde auf quaeldich.de das Verbindungsstück zwischen Col du Soulor und dem Tagesziel Col d´Aubisque angepriesen. Im Nachhinein kann ich dies nur bestätigen, so dass ich die gleiche Strecke für den Rückweg nochmals wählte. Unter dem Strich zog sich die Tour bis in die frühen Mittagsstunden, so dass letztendlich knapp 100 Kilometern mit geschätzten 2500 Höhenmetern auf dem Papier standen. Die Fahrt hatte sich wirklich gelohnt, so dass der Rest des Tages mit einem breiten Grinsen fortgeführt wurde.

Die folgenden Tage vergingen zwar wie im Flug, aber die Aufregung und Anspannung stieg insbesondere am Samstag ins Unermessliche. Schließlich verbrachte ich den Abend mit einem Materialcheck und einer durchaus positiven Analyse der Wetterberichte.

Look La Marmotte Granfondo Pyrénées

Sonntag, 27.08.2017. Mainevent. Viele Trainingskilometer und Höhenmeter waren absolviert. Gegen kurz nach 7 Uhr erreichte ich nach fünf Minuten Talfahrt mit meinem Wilier Izoard den „Place du 8. Mai“. Bei angenehmen 18°C versammelten sich dort die insgesamt knapp 2.000 Starter, unter ihnen der mehrfache Tour de France Gewinner Miguel Indurain, um eine wahre „Monsteraufgabe“ zu bewältigen. Der Streckenverlauf verlief über insgesamt 168 Kilometer und versprach 5500 Höhenmeter über fünf Pyrenäenpässe. Darunter drei Pässe der höchsten Kategorie. In diesem Jahr hatte man sich für eine Zielankunft im etwa 25 Kilometer entfernten Hautacam entschieden, dazu aber später mehr… Um 7.30 ertönte der Startschuss und bei ACDC´s Hells Bells verließen wir den Startort Luz-Saint Sauveur. Unter den vielen Spaniern und Franzosen, bestätigte sich schnell der Eindruck der letzten Tage, dass unfassbar viele Fahrer aus den Niederlanden und aus Belgien den weiten Weg auf sich genommen hatten. Nach einer kleinen fünf Kilometer langen Warmup Runde um den Ort, ging es mit mehr oder weniger kalten Muskeln direkt am „Kilometer Null“ des Col du Tourmalets vorbei. 18,5 Kilometer Auffahrt mit 7,7% Durchschnittsteigung stellten für die nächsten eineinhalb Stunden das Aufwärmprogramm des Tages dar. Die ersten neun Kilometer hatte ich bereits am Tag zuvor beschnuppert und so konnten mich die fiesen Steilstücke um und durch Barèges nicht mehr schocken. Die Geschwindigkeit blieb durch die Bank weg im zweistelligen Bereich und so erreichte ich um 09:28 zum ersten Mal das Dach der Tour auf einer Höhe von 2115m. Nach flottem Befüllen der Trinkflaschen stürzte ich mich schnell in die Abfahrt. Im Gegensatz zum Ötztaler Radmarathon sei hier erwähnt, dass die komplette Strecke nicht für den Autoverkehr gesperrt war. Somit teilte man sich auch zu dieser Uhrzeit die Straße mit den teils privaten Verpflegungskonvois sowie sonstigen Touristen und Einheimischen, was aber aufgrund von gegenseitiger Rücksichtnahme über den gesamten Tagesverlauf unproblematisch verlief.

Weiter ging es nun auf der „Route historique de Tour de France depuis 1910“ und nach einem kurzzeitigen welligen Profil zweigte die Strecke zur zweiten Bergankunft des Tages ab. Der „Hourquette d´Ancizan“ stand mit seiner durchaus leichteren  Nordwestauffahrt auf dem Programm. Die 10,4 Kilometer lange Auffahrt von Payolle auf 1564m nutzte ich ein wenig, um mich von den Strapazen und dem doch recht hohen Anfangstempo hinauf zum Tourmalet zu erholen. 414 Höhenmeter waren an diesem Pass zu erklimmen, wobei ein kleiner Gegenanstieg einem das Leben etwas schwerer machte. Landschaftlich klasse und mit Eseln besiedelte Straßen rundeten hier ein tolles Bild ab. Die Abfahrt hatte es in sich und erinnerte an einigen Stellen an die Strecke der diesjährigen Tour de France, auf der der Australier Richie Porte gestürzt war. Somit war erhöhte Vorsicht geboten und daran hielten sich alle Fahrer vorbildlich. Im Tal angekommen ging es ohne jegliche Verschnaufpause in den nächsten Anstieg. Der „Col d´Aspin“ stand auf dem Programm. Die 12 Kilometer Auffahrt von Arreau bis auf 1490m Höhe mit einer Durchschnittssteigung von  6,5% war wieder deutlich anspruchsvoller als im Vergleich zu den 4,4% am „Hourquette d´Ancizan“. Dennoch verlief die Zeit wie im Flug. Aufgrund des fast homogenen Anstiegs fand ich zu einem perfekten Rhythmus, quatschte zwischendurch noch ein wenig mit einer der ganz wenigen deutschen Teilnehmerinnen und erreichte um 12:23 das Passschild. Die Abfahrt nach Ste. Marie-de-Campan war zwar 13 Kilometer lang, allerdings beschränkte sich der „geschenkte“ steilere Teil auf maximal die Hälfte der Strecke, so dass mir die Zeit der Erholung bis zum zweiten „Tourmalet“ extrem kurz vorkam. In der Zwischenzeit setzte ein leichter Nieselregen ein, der in Bezug auf das anstehende Höhenprofil eine leicht erfrischende Wirkung zeigte. Von Ste. Marie winkte der „Col du Tourmalet“ mit seinen diesmal 16,5 Kilometern und 1365 zu absolvierenden Höhenmetern. Im Vergleich zur Westauffahrt waren dies etwas kürzere, aber in Bezug auf die Steilheit nahezu identische Werte. Die erste Hälfte verlief gut. Mit Geschwindigkeiten zwischen 10 und 13 km/h ging es gut voran, der Regen hatte sich wieder eine Auszeit gegönnt und Richtung Passhöhe war der Himmel blau. Die Vorfreude auf eine trockene Abfahrt stieg an. Im Verlauf der letzten sieben Kilometer setzen allerdings erste Ermüdungserscheinungen hinsichtlich des Kreislaufes ein. Mein Puls lag deutlich über 175 Schlägen und die Steigungen verließen nicht mehr die Region zwischen 8 und 10%. Vier Kilometer vor der Passhöhe gönnte ich mir eine erste ein minütige Verschnaufpause, welche zwei Kilometer vor der Passhöhe von einer zweiten gefolgt wurde. Die Geschwindigkeiten lagen nun erstmalig nur noch im einstelligen Bereich und die Strecke verlief wie in Zeitlupe. Um ziemlich genau 14:30 war ein Großteil geschafft. Der „Col du Tourmalet“ war ein zweites Mal bezwungen und der Radcomputer zeigte die unglaublichen Werte von 4100 (!!!) Höhenmetern auf den ersten 115 Kilometern an. Die Beine fühlten sich halbwegs okay an, jedoch merkte ich schon, dass das Herz-Kreislauf-System in diesen sieben Stunden schon einiges bewerkstelligt hatte.

Über Luz Saint Sauveur folgte dann eine knapp 30 Kilometer lange Abfahrt nach Beaucens. Weit über drei Stunden vor dem dortigen Zeitlimit fuhr ich über die Markierung zum letzten Anstieg des Tages. Der Auffahrt zur Skistation „Hautacam“. Die gute Nachricht: „Nur noch ein Anstieg, dann bin ich im Ziel“ – die schlechte Nachricht „Mit 13 Kilometern Länge und 8% Durchschnitt ist dies der steilste Anstieg des Tages“. Die ersten drei Kilometer verliefen recht human und der Körper zeigte sich wieder leicht erholt. Dies änderte sich ab der Kilometer 10 Marke jedoch drastisch. Für jede etwas flachere Passage kam ein mindestens 10-13% Knüppel aus dem Sack. Bei mittlerweile 4500 Höhenmetern in den Beinen tat dies richtig weh und es machten sich aufgrund des persönlich recht hohen Tempos in Kombination mit sehr kurzen und wenigen Pausen auch die ersten Ansätze von Krämpfen bemerkbar. Einzig und allein die Gesichter und das Tempo der umliegenden Mitstreiter pushten zu dieser Zeit des Rennens die Motivation ein wenig nach oben. 8 Kilometer vor dem Ziel entschied ich mich dann für eine „neue Rennstrategie“ um das Ziel irgendwie halbwegs lebend zu erreichen. Anhalten, Trinken, eine Minuten durchatmen und weiter fahren. Dies machte ich dann bei jeder Kilometermarke. Eine Zeit unter neun Stunden hatte ich abgehackt und alles andere schien mir zu diesem Zeitpunkt egal zu sein. Die Strategie ging auf. Durch diese kurzen Erholungsphasen fuhr ich immerhin wieder Geschwindigkeiten mit denen ich einige, vorher vorbeifahrende Mitstreiter wieder überholen konnte. Sehr lange hielt dies leider nicht an. 2,5 Kilometer vor dem Ziel wurden die Krämpfe stärker und der Körper schwächer. Es ging kaum noch was – hätte man mir vorher gesagt, dass ich bei einer Übersetzung von 34-30 jemals eine Trittfrequenz von unter 60 treten würde, so hätte ich vermutlich laut gelacht. Zwei Kilometer vor dem Ziel dann eine persönliche Premiere. Ich stieg ab und entschied mich für die nächsten 800 Meter das Rad im Laufschritt zu schieben. Die Geschwindigkeit was nur geringfügig langsamer als bei der vorherigen Fahrt und zumindest wurden nun etwas andere Muskeln beansprucht. Dann kam das erlösende Schild „Arrivée 1km“: ab auf den Sattel und die letzten Kehren fahren. Das ging plötzlich wieder mit Geschwindigkeiten im zweistelligen Bereich. Beim Überqueren einer recht unspektakulären Ziellinie erfolgte der nächsten Wadenkrampf, bei dem ich das Pedal nicht mehr umkurbeln konnte. Das war an dieser Stelle egal. Der Pyrenäen La Marmotte war geschafft. 168 Kilometer mit „echten“ 5250 Höhenmetern waren absolviert. Meine Finisherzeit von 9:26:44 reichte „nur“ noch zur Silbermedaille und brachte mich auf Platz 591. Bei knapp 2.000 Teilnehmern und „nur“ 1.172 Finishern war ich mit dieser Platzierung allerdings mehr als glücklich. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der spanische Sieger Martin Sergio Gonzalez mit 6:27:52 „nur“ etwas weniger als drei Stunden vor mir im Ziel war, machte mich ebenfalls stolz. Altchampion Miguel Indurain brachte es im Übrigen auf 7:49:40.

Damit war das 2017er Saisonfinale beendet. Es war hart, es war toll und die Pyrenäen werden für immer in meiner Erinnerung bleiben. 

Den Look La Marmotte Pyrénées würde ich jedem blind weiterempfehlen, der sich vor einer langen (ca. 1.400km) Autofahrt nicht scheut und eine sportliche „Höhenmeter Herausforderung“ sucht. Im Vergleich zum Ötztaler Radmarathon war das gesamte Event kleiner, familiärer und weniger kommerziell aufgebaut. Wie lange dies noch so bleibt, kann man schlecht sagen. 

Die Versorgung auf der gesamten Strecke war super, die komplette Sportlernahrung kam aus dem Hause Etixx und war super verträglich. Für alle Finisher gab es eine Cap, was bei 70€ Teilnahmegebühr (inkl. 10€ Etixx Package) vollkommen okay war. Wer dann ein zusätzliches Trikot kaufen wollte, der konnte dies für 50€ erwerben, so dass der hieraus resultierende Endpreis immer noch deutlich unter dem von anderen Alpenmarathons lag.

 

Die offiziellen Ergebnisse sind fertig. Leider war die Beteiligung auf Grund von Urlauben, Dienstreisen und warmen Temperaturen nicht so hoch. Spaß gemacht hat es trotzdem und im Namen aller Teilnehmer nochmal ein herzliches Danke an die Zeitnehmer Bernd und Paul.

 Rang Fahrer Zeit Schnitt
1 Echterhoff Lars 05:32 26,02 km/h
2 Frauenrath Markus 05:50 24,69 km/h
3 Bertrams Dieter 05:53 24,48 km/h
4 Jungerberg Gerd 06:46 21,28 km/h
5 Fuchs Sandra 07:10 20,09 km/h
6 Esser Martina 07:39 18,82 km/h
7 Merschlewitz Paul 08:11 17,60 km/h

Danke auch am Freddy, der die sportlichen Interessen seiner Kunden bei Medisport über seine eigene Freizeit gestellt hat und es nicht mehr rechtzeitig geschafft hat, dafür aber Sandra, die sich 30 Meter hinter dem Ziel den Schlauchreifen kaputt gefahren hat, mit nach Erkelenz zurück nehmen konnte.

Getreu dem Motto „Das härteste ist gerade hart genug“ war ich Ende 2016 wieder mal auf der Suche nach einem ausdauertechnischen Prüfstein. In meinem Lieblings-Zweiradblatt ROADBIKE entdeckte ich dann passenderweise eine kleine, unscheinbare Ankündigung/Werbung für ein Event, dass mir einerseits den Atem stocken ließ und andererseits ein Lächeln auf mein Gesicht zauberte. Zweiradmasochismus nennt man das glaube ich. Irgendwo auf Seite 67 ¾ zwischen Inseraten für diversen Fahrradramsch wurde die siebte Ausgabe der TOUR DU MONT BLANC im kommenden Juli 2017 angekündigt. 330 Kilometer Strecke über 7 Alpenpässe, von denen der große und kleine Sankt-Bernhard-Pass die bekanntesten waren, sollten die Radonneure auf sage und schreibe über 8000 Höhenmeter führen!!! Wahnsinn :-)

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Die offiziellen Ergebnisse sind fertig. (Unbereinigt der Klassen.) Unser zweites Bergzeitfahren an der Vollrather Höhe liegt hinter uns. Danke an unsere Zeitnehmer: Alex, Dagmar und Reinhard.

Rang Fahrer Zeit Schnitt
1 Steckel Mirko 05:21 26,92 km/h
2 Frauenrath Markus 05:26 26,50 km/h
3 Floßdorf Florian 05:27 26,42 km/h
3 Pferdmenges Jörg 05:27 26,42 km/h
4 Echterhoff Lars 05:34 25,87 km/h
5 Koch Thomas 05:50 24,69 km/h
6 Bertrams Dieter 06:03 23,80 km/h
7 Jaeger Albert 06:07 23,54 km/h
8 Koch Johannes 06:19 22,80 km/h
9 Gärtner Axel 06:41 21,55 km/h
10 Jungerberg Gerd 06:43 21,44 km/h
11 Rohmen Bernd 06:58 20,67 km/h
12 Alsters, Andreas 07:27 19,33 km/h
14 Esser Martina 07:55 18,19 km/h

Liegt nur noch das Flachzeitfahren vor uns.